Mein Bewerbungsschreiben an “Mars One”

Vielleicht würde ich heute bereits wieder einiges anders schreiben, als ich es im Sommer 2013 in meinem Bewerbungstext formuliert hatte – die Bedingungen für das Projekt ändern sich zum Teil und auch der eigene Erfahrungshorizont erweitert sich. Dennoch sind die dort benannten Ziele und Positionen weiterhin aktuell, weswegen ich es auch weiterhin euch zum Lesen zur Verfügung stellen möchte:

Auch wenn die Teilnahme am „Mars One“-Projekt für viele Menschen eine persönliche Herausforderung, ein ‚Abenteuer‘, ein Stück Selbsterfüllung bedeuten würde, steht das für mich nicht im Mittelpunkt meiner Bewerbung. Wer nur ‚Entdeckergeist‘ verspürt, ist beim einmaligen Forschungs- und Menschheitsprojekt „Mars One“ nicht gut aufgehoben. Hier geht es um mehr.

Ich bin ein politischer Mensch, der das Leben der Menschen und die Chance auf mehr Gerechtigkeit, Glück und Fortschritt auf der Welt im Zusammenhang mit den natürlichen als auch den gesellschaftlich-wissenschaftlichen Bedingungen sieht. Grenzenlose Profitsucht, die Ausbeutung von Natur und Mensch sowie veraltete Gesellschaftssysteme haben unsere Welt in eine Dauerkrise gestürzt und bedrohen die Bewohnbarkeit unseres Heimatplaneten zum Teil bereits heute. Schon am Ende dieses Jahrhunderts könnte die Erde den meisten Menschen kein geeignetes Zuhause mehr bieten. Auch wenn der Großteil der Menschheit diese Lage nicht verursacht hat, steht sie heute in der Pflicht, nach Alternativen des Zusammenlebens zu suchen – im Zweifelsfall auch ohne die Mithilfe politischer und wirtschaftlicher Finanziers, die nur bis ‚Übermorgen‘ denken.

Im Projekt „Mars One“ könnte ich meine zahlreichen Neigungen und Talente kombiniert und für alle gewinnbringend anwenden: Ich liebe die Geisteswissenschaften, das Mediale, das Gesellschaftliche – aber all das hängt zusammen mit unseren natürlichen Lebensbedingungen, der evolutionären Entwicklung des Menschen vom Säugetier zum Intelligenzwesen, der Geschichte unserer Welt. Doch rein naturwissenschaftliche Konzepte können in unserer komplexen Gegenwart keine hinreichenden Aussagen mehr über das Menschliche und dessen Zukunft machen. „Mars One“ hingegen fragt: Können Menschen unter den Bedingungen auf dem Mars überleben? Welche Gesellschaftskonzepte erfordert ein solch konstruiertes Zusammenleben? Und können wir den Mars, wenn auch in ferner Zukunft, in unser zweites Zuhause verwandeln, ohne die Fehler der Mächtigen auf der Erde zu wiederholen? Bei diesem Projekt besteht die Gelegenheit, nicht nur Natur- und Geisteswissenschaften miteinander zu versöhnen, sondern noch mehr: Der Menschheit einen Dienst zu leisten. So viel Pathos kann und muss sich dieses Projekt erlauben.

So ist „Mars One“ für mich derzeit das einzige Projekt, für das sich eine bedingungslose hingebungsvolle Mitarbeit lohnen würde. Ich bin bereit.

Seht euch hier mein offizielles Bewerbungsvideo an.

2 Comments

  1. Ich wünsche Dir ebenfalls viel Erfolg und drücke Dir für nächste Woche Montag die Daumen! Mir gefallen Deine Ansichten sehr und auch ich wünsche mir auch nichts mehr, als das wir Menschen uns auch im Hinblick unserer verstaubten Systeme weiterentwickeln werden. Bleib dran!

    Herzliche Grüße,
    Ali

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